ADFC und Jenawohnen versorgen Geflüchtete mit Fahrrädern


jenawohnen überlässt dem ADFC Jena – Saaletal verlassene Fahrräder zur Aufarbeitung und Weitergabe an Geflüchtete. Der Bedarf steigt seit Herbst 2021.

Chris Friese (ADFC), Geflüchteter aus Somalia, Gunnar Poschmann (jenawohnen), bei der Übergabe von Werkzeug an die Gemeinschaftsunterkunft am Egelsee. Foto: Albrethsen-Keck

Schon im vergangenen Herbst, als über Belarus und Polen vermehrt Geflüchtete nach Jena kamen, stieg der Bedarf an Fahrrädern für die Nahmobilität sprunghaft an. Das Team der Selbsthilfewerkstatt des ADFC Jena – Saaletal intensivierte umgehend die Aktivitäten zum Sammeln und Instandsetzen gespendeter Fahrräder. „Als die Containerunterkunft am Egelsee wieder bezogen wurde, rissen die Anfragen nach gebrauchten Fahrrädern nicht mehr ab“, berichtet Christian Friese, Leiter der Selbsthilfewerkstatt des ADFC. „Seither repariert mein Team alte Fahrräder in Heimarbeit, denn unsere Werkstatt ist Corona-bedingt seit zwei Jahren geschlossen.“

Nahezu 30 Fahrräder wurden seither an Geflüchtete am Egelsee abgegeben. Auch einen Werkzeugkasten stellt der ADFC der Unterkunft jetzt zur Verfügung, damit die neuen Besitzer ihre Fahrräder selbst reparieren können.

Erfreulicherweise konnte die jenawohnen GmbH als Partner für die Beschaffung von alten Fahrrädern gewonnen werden. Unter verlassenen Fahrrädern in den Wohnblocks darf sich der ADFC aussuchen, was noch in gutem Zustand ist, um diese Räder dann flott zu machen und an die Bewohner der Gemeinschafts-unterkünfte weiterzugeben. Gunnar Poschmann, Pressesprecher von jenawohnen, erläutert: „Verlassene Fahrräder sind leider ein Dauerbrenner für unsere Hausmeister. Wir sammeln sie in Kellerräumen und irgendwann werden sie entsorgt. Wir sind froh, dass der ADFC uns die gut erhaltenen Stücke abnimmt und sie wieder nutzbar macht. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist das natürlich genau der richtige Weg.“

Frau Weigert, Sozialarbeiterin vor Ort von der AWO Mitte-West-Thüringen, freut sich über das Engagement von ADFC und jenawohnen. „Fahrkarten für den Nahverkehr sind teuer für unsere Bewohner. Daher greifen sie gerne auf die gespendeten Fahrräder zurück. Der neue Werkzeugkasten bedeutet ein weiteres Stück Unabhängigkeit: Jetzt können kleine Pannen direkt bei uns behoben werden. Es gibt immer Geflüchtete, die sehr geschickt und hilfsbereit sind.“

Die Geflüchteten aus der Ukraine werden demnächst auch Bedarf anmelden, erwartet der ADFC. „Wir rechnen mit einem sprunghaften Anstieg an Nachfragen. Wir werden keine Herrenräder weitergeben, sondern vor allem Kinder-, Jugend- und Damenräder“, erwartet Barbara Albrethsen-Keck, Vorsitzende des ADFC Jena – Saaletal. „Wir rufen daher heute schon zum Spenden von Kinderrädern, auch Laufrädern, auf. Nach unserer Erfahrung ist der Markt da ziemlich leergefegt.“

„In Anbetracht des erwarteten Ansturms kann unser Werkstattteam auch noch Verstärkung gebrauchen“, ergänzt Friese.